Weitere gute Brettspiele

Vor ein paar Wochen schrieb ich über gute Ludothek-Brettspiele.

Daneben haben wir in den letzten eineinhalb Jahren auch sehr viel Spass mit weiteren Brettspielen. Die Altersangaben sind irreführend (auch mein 7jähriger Sohn kann diese verstehen, spielen und gewinnen) und deuten eher auf die Komplexität hin – ich habe sie unten deshalb weggelassen.

Castles of Burgundy (Kennerspiel, 2. Version 2019, Spielzeit ca. 60-100 Min., für 1-4 Spieler). Sehr schön gestaltetes Spiel mit viel Variabilität und inklusive Erweiterungen. Geschickte Planung (und etwas Glück) ist nötig, für eine möglichst optimale Abfolge der Sammlung und des Legens von verschiedenen Landschafts-/Gebäudeplättchen, dank deren jeweilige Sondereffekten weitere Aktionen möglich sind und Punkte ergeben. Das Spiel nutzt zwar Würfel, man kann den Zufall mittels Arbeitereinsatz mitigieren. Das Spiel hat dank seiner grossen Vielfalt einen hohen Wiederspielanreiz.

SETI (2024, Expertenspiel, Spielzeit >2h, für 1-4 Spieler). Das Spiel trifft den Nerv von Raumfahrt-Fans wie mich und ist grafisch sehr schön gestaltet. Mittels drei verschiedener Wege (Sonden zu entfernen Planeten senden, Radioteleskope nutzen, Daten analysieren) können Siegpunkte, oder Bekanntheit (wichtig zur Erlangung von weiteren Fähigkeiten mittels 12 Technologien) erreicht werden und Spuren von Ausserirdischen gefunden werden. Das Spiel ist sehr variabel (das Sonnensystem dreht sich nach gewissen Aktionen, es gibt mehr als 100 Karten, Missionen etc.). Man ist ständig knapp an Geld und Energie und muss seine Spielzüge gut planen. Das Spiel ist sehr nahrhaft und die Zeit vergeht schnell. Wenn man es nur selten spielt, schlägt man häufig im Regelheft nach, welches gewisse Lücken und deshalb Interpretationsspielraum aufweist.

Istanbul (2014, Kennerspiel, Spielzeit ca. 1h, für 2-5 Spieler). Das Spiel ist optisch schön gestaltet und sehr variabel: statt einem fixem Spielbrett gibt es 16 Ortsplatten, welche immer wieder anders angeordnet werden können. Man kommt sehr rasch ins Spiel rein: Mittels mehrerer Gehilfen geht man zu verschiedenen Orten, baut sich einen grossen Handkarren und sammelt Rohstoffe, die man verkauft, um Rubine zu kaufen und zu gewinnen. Das Spiel fördert strategisches und taktisches Denken, um möglichst effiziente Abläufe vorzunehmen. Je mehr Spieler, desto mehr Wechselwirkung untereinander (man kann einander Leute ins Gefängnis schicken und bezahlt anderen eine Gebühr, um auf ihren Ort treten zu dürfen).

Die Paläste von Carrara (2012, Kennerspiel, Spielzeit ca. 1h, für 2-4 Spieler). Das Spiel ist grafisch schön gestaltet und originell mit rundem Drehteller. Die Spieler sammeln 6 verschieden farbige Quader, um mit diesen verschiedene Gebäudetypen in den entsprechenden 6 Städten zu verbauen. Man muss vorausplanen, welche Aktionen am meisten Sinn ergeben, was wiederum abhängig ist von den Aktionen der anderen Spieler (Verfügbarkeit der Quader, Gebäudeplättchen und Wertungsaktionen). Das Spiel ermöglicht auch präemptives Verhalten (z.B. selbst werten, bevor der Gegner seine gute Stadt wertet).

El Grande (1996, Kennerspiel, Spielzeit ca. 1h, für 2-5 Spieler). Ein Klassiker unter den Einsteiger-Strategiespielen. Wer am meisten Caballero-Quader in einer Spanischen Provinz hat, gewinnt am meisten Punkte. Aber aufgepasst, der König kann verschoben werden und damit ändert, in welchen Provinzen Quader abgelegt werden können. Mittels fünf verschiedener Kartentypen lassen sich gelegte (eigene, wie gegnerische) Quader aber wieder verschieben.

Fresco (2010, Kennerspiel, Spielzeit ca. 1h, 2-4 Spieler). Der Frühausteher darf zuerst Farben am Markt kaufen, Farben mischen oder entscheiden, welche Deckenpartie der Kirche er bemalen will. Aber früh aufstehen bedeutet teurere Farben und schlechte Laune unter den Arbeitern. Kluges Vorausplanen und strategische Wechselwirkungen (welche Farben brauche ich? Wie oft muss ich mischen, damit ich die richtigen Farben habe, die für eine bestimmte Deckenpartie benötigt werden, vorausgesetzt, ich kann die bemalen, bevor die anderen Spieler dies tun?) sowie einfache Regeln sorgen für grossen Spass.

Scotland Yard (1983, diverse Neuausgaben, Spielzeit ca. 45 Min., für 2-6 Spieler). Ein Klassiker, mit einfachen Regeln und hohem Wiederspielwert. Ein Spieler als Mr. X muss vor der Polizei flüchten und zeigt seine Präsenz nur alle ca. 6 Spielzüge. Das Spiel verlangt Kooperation der übrigen Spieler und Nachdenken über den möglichen Aufenthaltsort von Mr. X und die beste Art, ihn zu fangen. Doch Achtung, die Zahl der Spielzüge, sowie die Zahl der U-Bahn-/Bus-/Taxi-Tickets sind endlich!

Wie bereits erwähnt, findet man Tipps, Rezensionen und weiteres unter boardgamegeek.com

Es lohnt sich, an Flohmärkten Spiele zu tiefen Preisen zu kaufen, oder sich mittels Preis-Tracker (z.B. toppreise.ch) die Preisentwicklung zu verfolgen, zu warten und im rechten Moment zu kaufen.

Beste Bücher 2025

Ich werde immer wieder gefragt, welche Bücher ich lese in meiner Freizeit. Die Antwort: ganz unterschiedliche. Ich lese vor allem gerne Bücher über Geschichte, Wirtschaft und Politik, aber auch populär-(natur-)wissenschaftliche Bücher, ab und zu auch Comics (z.B. aus der Reihe Buck Danny) und etwas seltener auch Belletristik (z.B. Master und Margerita von Mikhail Bulgakov).

Folgende Bücher haben mich während der Lektüre im 2025 am meisten fasziniert. Diese empfehle ich gerne weiter:

Ritchie Hannah (2024): Not the End of the World. Surprising facts, dangerous myths and hopeful solutions for our future on planet Earth. Vintage Books. Wie der Titel bereits impliziert, bespricht das Buch Herausforderungen der Menschheit, insbesondere den Klimawandel, schlägt aber einen optimistischen Ton an. Klimapanik und Denken in Kipppunkten einer vermeintlich letzten Generation sind fehl am Platz. Die Autorin, selbst ursprünglich Klimaaktivistin, zeigt, dass die Menschen lernfähig sind, und korrigieren, und wir bereits viel erreicht haben auf dem Weg zu einer klimaverträglichen, nachhaltigen Welt. In einer medialen Sensationswelt werden Fortschritte jedoch kaum wahrgenommen. Der saure Regen als Herausforderung in den 1980ern ist heute kein Thema mehr, weil gelöst; ebenso ist das Thema FCKW verschwunden, weil diese Stoffe praktisch nicht mehr verbaut werden. Gemäss Autorin haben wir noch viele Hausaufgaben zu erledigen, diese seien aber lösbar und wir seien auf gutem Weg. Zudem räumt die Autorin mit vielen populären Mythen und falschen Glaubenssätzen auf (warum Plastiksäcke ökologischer sein können als Papiersäcke, warum lokal produziertes Essen nicht unbedingt ökologischer ist etc.).

Susskind, Daniel (2025): Growth: A Reckoning. London: Penguin Paperbacks. Der Autor beginnt mit einer Einführung in die Ökonomie(-Geschichte), und warum Wirtschaftswachstum (in nominalen Preisen) in einer endlichen Welt möglich, ja normal ist, und warum es wichtig ist. Er erklärt auch, weshalb Rechtsstaatlichkeit, schlanke Gesetze und gute Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln wichtig sind. Wirtschaftswachstum und technologische Fortschritte haben in den letzten zwei- bis dreihundert Jahren eine beispiellose Verbesserung des Wohlstands und der Gesundheit der Menschheit ermöglicht. Der Autor, selbst politisch mitte-links positioniert, erklärt auch, warum links-grüne Ideologien (u.a. «Grenzen des Wachstums, Club of Rome), die ein Stopp des «Wachstums» oder gar ein Schrumpfen «der» Wirtschaft verlangen, auf mangelhaftem wirtschaftlichen Verständnis beruhen, gefährlich und letztlich selbstzerstörerisch sind, weil sie Mittel propagieren, die ihre eigenen Ziele und das Allgemeinwohl torpedieren.

Conway, Ed (2024): Material World: A Substantial Story of Our Past and Future. London: Penguin. Der Autor ist Journalist und erzählt die Geschichte, den Bergbau, die Nutzungen und Bedeutung von sechs Rohstoffen (Sand, Salz, Eisen, Öl, Kupfer, Lithium). Das Buch ist gut strukturiert und packend geschrieben. Es erklärt z.B. warum Sand nicht gleich Sand ist (dito für Salz), d.h. weshalb die chemische Struktur der Moleküle und die Reinheit in natürlichen Vorkommen entscheidend ist für die weitere Verwendung und warum, trotz medial breitgetretenen Ängsten um die Verfügbarkeit von seltenen Erden, gewisse Vorkommen von Rohstoffen weiterhin in Europa (z.B. England, Spanien) abgebaut werden. Das Buch erklärt auch, warum diese Rohstoffe in einer sich weiter elektrifizierenden Welt noch viel mehr Bedeutung erlangen und absolut entscheidend sind für die Erreichung der Klimaziele.

Beard, Mary (2016): SPQR. A History of Ancient Rome. London: Profile Books. Das Buch behandelt die Zeit zwischen 800 vor und 200 nach Christus und erklärt einerseits in breiten Zügen gesellschaftliche Entwicklungen im römischen Reich, taucht aber auch ab und erklärt die Umstände des Lebens einfacher Römer. Das Buch bespricht vertieft einzelne Personen und deren Rivalitäten (u.a. Cicero, ausgewählte Kaiser) und ist gespickt mit Anekdoten. Es illustriert die sich wandelnden Konzepte politischer Institutionen, die Bedeutung des Bürgerrechts und hinterfragt Mythen und Narrative. Es ist locker und packend geschrieben.

Brand, Hal (ed., 2023): The New Makers of Modern Strategy: From the Ancient World To the Digital Age. Eine Sammlung von 45 Essays auf mehr als 1100 Seiten für Interessierte an Internationaler Politik. Während einige dieser Aufsätze Episoden der Geschichte aus der politikwissenschaftlichen Perspektive der internationalen Beziehungen erzählen und deuten, erklären andere Aufsätze Konzepte, Denkrichtungen. Die Lektüre ist intellektuell bereichernd und regt zum Denken an.

PFAS

Perfluoroctansulfonsäure (Quelle: Wikipedia). Ein Beispiel eines PFAS-Moleküls

In den letzten Jahren stieg die Berichterstattung der Medien zu den PFAS massiv an. Nun war dies, anhand des Beispiels TFA auch Thema in der Fragestunde des Gemeinderats von Dübendorf vor einigen Tagen.

PFAS, per- und polyfluorierten Alkylverbindungen, sind eine Gruppe von mehreren Tausend Molekülen, die seit ca. den 1970er Jahren aufgrund ihrer nützlichen Eigenschaften (z.B. schmutz und wasserabweisend, beständig) in vielen in Produkten wie Feuerwehr-Löschschaum, wasserabweisender Bekleidung oder Papieren, resp. Papierbeschichtungen wie z.B. bei Papier-Strohhalmen und in kompostierbares Geschirr eingesetzt wurden.

Heutzutage werden PFAS je länger je weniger genutzt, aber sie sind heute noch in vielen genutzten Produkten und geraten mit Zeitverzug auch in Böden und ins Grundwasser. Diese PFAS werden nur sehr langsam oder gar nicht abgebaut. Gemäss Studien sind einige dieser PFAS gefährlich und gesundheitsschädigend.

Es werden regelmässig Proben gesammelt, in der Schweiz, im Kanton Zürich und in Dübendorf. Die letzte Probenahme im 2024 in Dübendorf zeigte einen Wert bei Trifluoressigsäure (TFA) von 1.1 Mikrogramm pro Liter im Trinkwasser. Ist das viel?
Es gibt noch kein Grenzwert für TFA in der Schweiz. Als Kontext: In Deutschland wurde 2020 ein toxikologischer Leitwert definiert von 60 Mikrogramm pro Liter, auf der Basis einer lebenslangen Aufnahme von 2 Liter Wasser pro Tag und Person, «bei der keine Schädigung der menschlichen Gesundheit zu erwarten ist.» (siehe Link Kanton Zürich).
Zurzeit sind die im Zürcher Trinkwasser messbaren TFA-Konzentrationen entsprechend noch unbedenklich. Es droht aus heutiger Sicht keine Gefährdung.

Für andere PFAS sind Grenzwerte vorhanden. In der Schweiz gelten seit 2017 die in der „Verordnung des EDI über Trinkwasser sowie Wasser in öffentlich zugänglichen Bädern und Duschanlagen“ (TBDV) festgelegten Werte von 0.3 Mikrogramm pro Liter für PFOS (Perfluoroctansultonat) und PFHxS (Perfluorhexansulfonat) sowie 0.5 Mikrogramm pro Liter für PFOA (Perfluoroctansäure). Derzeit ist aber zu PFAS viel in Bewegung u.a. bez. Forschung, Grenzwerten, Massnahmen.

Weil Materialien, welche PFAS enthalten, noch im Gebrauch sind, wird der der Eintrag in die Böden und ins Wasser noch etwas weitergehen. Deshalb wird Konzentration im Grundwasser voraussichtlich leicht ansteigen.

Eine technische Lösung zur Entfernung dieser Stoffe aus der Umwelt gibt es noch nicht. Es wird getestet und geforscht. Gemäss einem ETH-Newsletter letztes Jahr wurden erste hoffnungsvolle Ergebnisse dazu erzielt. Aber dies ist noch nicht skalierbar.

Was können wir tun? Wir sollten versuchen, anstelle von Materialien, die PFAS enthalten Alternativen, die ebenso gut sind und keine PFAS enthalten, zu kaufen und nutzen. Zudem sollte das Verständnis der Lage verbessert und Messungen weitergeführt werden.
Der Kanton Zürich veröffentlicht Messwerte auf seiner Züri Trinkwasser Map: https://www.zh.ch/de/gesundheit/lebensmittel-gebrauchsgegenstaende/lebensmittel/trinkwasser.html

Quellen (Auswahl):

Projekt von Schülerinnen und Schülern der Sek gegen Littering, Sprayereien und verstopfte Abwasserkanäle

Rund 60 Schülerinnen und Schüler der Sekundarschule Dübendorf-Schwerzenbach haben für eine Kampagne gegen Littering, Sprayereien und verstopfte Abwasserkanäle kreative Inhalte in Form von Flyern, Plakaten sowie Videos erarbeitet. Die Kampagne zielt darauf ab, die Bevölkerung für diese Themen zu sensibilisieren und Verhaltensveränderungen herbeizuführen.

Leider werden in Dübendorf immer wieder öffentliche sowie private Gebäude und Anlagen illegal versprayt. Die Sprayereien beeinträchtigen das Stadtbild und die Reinigung ist mit hohen Kosten verbunden. Auch wird immer wieder Abfall im öffentlichen Raum, teils sogar direkt neben Abfalleimern, liegen gelassen – was in der Fachsprache als Littering bezeichnet wird. Weiter sind auch Fremdstoffe wie Feuchttüchlein, Wattestäbchen, Zigaretten etc., ein Problem, wenn sie ins Abwasser gelangen. Die Fremdstoffe führen in den Abwasserkanälen zu Verklumpungen und Verstopfungen. Dadurch entstehen hohe Kosten für die Reinigung von Kanälen sowie auch von Abwasserpumpwerken sowie Regenüberlaufbecken. Verstopfte Abwasserkanäle können zu Rückstau führen und dadurch beispielsweise überflutete Keller in Wohnhäusern verursachen.

Am 28. Januar wurden die besten der 34 eingereichten Werke im Rahmen einer stimmigen Veranstaltung im Singsaal der Sekundarschule Stägenbuck in Dübendorf prämiert in den drei Themenfeldern (Littering, Sprayereien, verstopfte Abwasserkanäle).

Ich bin äusserst dankbar über die gute Zusammenarbeit zwischen der Abteilung Tiefbau und der Sekundarschule Dübendorf-Schwerzenbach in diesem Projekt und danke allen Beteiligten für ihr enormes Engagement, allen voran die Schülerinnen und Schüler, welche ihre Werke in den letzten Monaten erstellt haben, sowie den beteiligten Lehrpersonen, der Schulverwaltung und natürlich auch Reto Valsecchi, Leitung Bildung der Sekundarschule, sowie den Jury-Mitgliedern aus der Kommunikationsbranche.

Das Projekt hat seine Wurzeln im 2023. Ich hörte damals, dass die Aufwände zur Reinigung von Graffitis/Sprayereien stetig ansteigen, ebenso wie die Aufwände zum Aufräumen von herumliegenden Abfall und zur Reinigung unserer Abwasserkanalisation (inkl. Regenbecken und Pumpwerke). Andere Gemeinden teilen dieses Schicksal und haben teils ebenfalls Kampagnen lanciert. Statt einer weiteren Werbeagentur einen Auftrag zu erteilen, bevorzuge ich Eigeninitiative und so kontaktierte ich die Sekundarschule im Frühling 2024 mit einem kleinen Konzept, und fragte, ob sie bereit wäre, zusammen zu arbeiten. Ich bin sehr glücklich, dass die Sek das Projekt enthusiastisch begrüsste und sogleich zur Tat schritt.

Ich freue mich, dass die Stadt diese in kommender Kommunikation zum Thema nutzen möchte, und dass dies ein Beitrag leistet zur Lösung des Problems.

Zum Bericht im Glattaler vom 31.1.2025: https://glattaler.ch/gesellschaft/2025-01-31/schueler-beteiligen-sich-an-kampagne-gegen-vandalismus-in-duebendorf

Impressionen von der Prämierungsveranstaltung: