Das Personalwachstum der öffentlichen Verwaltung

Vor kurzem hat die FDP Kanton Zürich ihre Volksinitiative für eine Personalbremse eingereicht. Diese verlangt, dass die Zahl der Vollzeiteinheiten der kantonalen Verwaltung mittelfristig höchstens so stark wächst wie die Wohnbevölkerung im Kanton Zürich.

Aktuell ist es umgekehrt: die Verwaltung in Kanton Zürich wächst mehr als doppelt so schnell wie die Bevölkerung. Konkret: Zwischen 2019 und 2024 wuchs die Zahl der kantonalen Vollzeitstellen um 13.3%, die Bevölkerung des Kantons Zürich wuchs im selben Zeitraum allerdings nur um 5.1%.

Das bedeutet, dass die Zahl der Verwaltungsstellen pro Einwohner zunimmt, oder anders gesagt, dass der Steuerzahler je länger je mehr Staatsangestellte finanziert. Dies ist langfristig nicht nachhaltig.

Entsprechend braucht es Massnahmen. Nun sind Regierungs- und Kantonsrat am Zug, um die Initiative zu behandeln und eine Umsetzungsvorlage oder einen Gegenvorschlag zu entwickeln.

Die Initiative ermöglicht Ausnahmen, z.B. bei ausserordentlichen Entwicklungen (z.B. Krisen), müssen aber sachlich gerechtfertigt sein.

Es ist plausibel, dass eine wachsende Bevölkerung mehr Staatsangestellte benötigt. Mehr Kinder bedeutet mehr Lehrpersonen. Mehr Einwohner benötigen mehr Polizisten etc. Dies ist allerdings kein Naturgesetz. Aufgaben können im Laufe der Zeit auf andere Weise erbracht werden. Nicht zuletzt ermöglicht der technologische Fortschritt Synergieeffekte und Effizienzgewinne. Schliesslich ist es auch gut, periodisch zu überprüfen, welche Dienstleistungen der Staat erbringen soll und welche allenfalls nicht mehr.

In der Verwaltung arbeiten in der Regel gut ausgebildete, fähige Personen, die sich mit Herzblut für die Arbeit einsetzen. Das Lohnniveau ist in der Verwaltung in den letzten Jahren tendenziell stärker gestiegen als in der Privatwirtschaft.

Gemäss Bürokratietheorie haben grosse Organisationen (Bürokratien) die natürliche Tendenz, zu wachsen. Das ist nicht böswillig, sondern beruht darauf, die teils komplexen Probleme gut bewältigen zu wollen. Aber es ist die Aufgabe der Politik, das Nötige vom Wünschbaren zu trennen und stets zu hinterfragen, wieviel (Leistungen, Regeln) es braucht, und ob es auch einfacher geht.

Wie sieht es in Dübendorf aus?

Auch in Dübendorf wächst die öffentliche Verwaltung stärker als die Bevölkerung. Gemäss Geschäftsberichten wuchs die Zahl der bewilligten Vollzeiteinheiten der Stadtverwaltung zwischen 2019 und 2024 um 23.8%, die Bevölkerung dagegen nur um 10.7%. Berücksichtigt man bei der Stadt nur die tatsächlich genutzten Vollzeiteinheiten (einige konnten nicht besetzt werden, müssen aber in der Regel teurer durch Springer abgedeckt werden), beläuft sich das Wachstum auf 17%.

Zwischen 2014 und 2024 zeigt sich ein ähnliches Bild: die Zahl der bewilligten Stellen wuchs um 34.4%, die Zahl der genutzten Stellen um 28.4%, die Bevölkerung wuchs um 23.3%.

Daraus ergibt sich, dass auch in Dübendorf die Zahl der Verwaltungsstellen pro 1000 Einwohner in den letzten Jahren insgesamt angestiegen ist, in einzelnen Jahren allerdings nicht (siehe Grafik unten, z.B. nahm diese Zahl bei den bewilligten Stellen pro 1000 Einwohnern, blaue Kurve im 2021 ab).

Weiterführende Links:

FDP Kanton Zürich : Einreichung der Volksinitiative für eine Personalbremse:

Geschäftsberichte der Stadt Dübendorf

Weitere gute Brettspiele

Vor ein paar Wochen schrieb ich über gute Ludothek-Brettspiele.

Daneben haben wir in den letzten eineinhalb Jahren auch sehr viel Spass mit weiteren Brettspielen. Die Altersangaben sind irreführend (auch mein 7jähriger Sohn kann diese verstehen, spielen und gewinnen) und deuten eher auf die Komplexität hin – ich habe sie unten deshalb weggelassen.

Castles of Burgundy (Kennerspiel, 2. Version 2019, Spielzeit ca. 60-100 Min., für 1-4 Spieler). Sehr schön gestaltetes Spiel mit viel Variabilität und inklusive Erweiterungen. Geschickte Planung (und etwas Glück) ist nötig, für eine möglichst optimale Abfolge der Sammlung und des Legens von verschiedenen Landschafts-/Gebäudeplättchen, dank deren jeweilige Sondereffekten weitere Aktionen möglich sind und Punkte ergeben. Das Spiel nutzt zwar Würfel, man kann den Zufall mittels Arbeitereinsatz mitigieren. Das Spiel hat dank seiner grossen Vielfalt einen hohen Wiederspielanreiz.

SETI (2024, Expertenspiel, Spielzeit >2h, für 1-4 Spieler). Das Spiel trifft den Nerv von Raumfahrt-Fans wie mich und ist grafisch sehr schön gestaltet. Mittels drei verschiedener Wege (Sonden zu entfernen Planeten senden, Radioteleskope nutzen, Daten analysieren) können Siegpunkte, oder Bekanntheit (wichtig zur Erlangung von weiteren Fähigkeiten mittels 12 Technologien) erreicht werden und Spuren von Ausserirdischen gefunden werden. Das Spiel ist sehr variabel (das Sonnensystem dreht sich nach gewissen Aktionen, es gibt mehr als 100 Karten, Missionen etc.). Man ist ständig knapp an Geld und Energie und muss seine Spielzüge gut planen. Das Spiel ist sehr nahrhaft und die Zeit vergeht schnell. Wenn man es nur selten spielt, schlägt man häufig im Regelheft nach, welches gewisse Lücken und deshalb Interpretationsspielraum aufweist.

Istanbul (2014, Kennerspiel, Spielzeit ca. 1h, für 2-5 Spieler). Das Spiel ist optisch schön gestaltet und sehr variabel: statt einem fixem Spielbrett gibt es 16 Ortsplatten, welche immer wieder anders angeordnet werden können. Man kommt sehr rasch ins Spiel rein: Mittels mehrerer Gehilfen geht man zu verschiedenen Orten, baut sich einen grossen Handkarren und sammelt Rohstoffe, die man verkauft, um Rubine zu kaufen und zu gewinnen. Das Spiel fördert strategisches und taktisches Denken, um möglichst effiziente Abläufe vorzunehmen. Je mehr Spieler, desto mehr Wechselwirkung untereinander (man kann einander Leute ins Gefängnis schicken und bezahlt anderen eine Gebühr, um auf ihren Ort treten zu dürfen).

Die Paläste von Carrara (2012, Kennerspiel, Spielzeit ca. 1h, für 2-4 Spieler). Das Spiel ist grafisch schön gestaltet und originell mit rundem Drehteller. Die Spieler sammeln 6 verschieden farbige Quader, um mit diesen verschiedene Gebäudetypen in den entsprechenden 6 Städten zu verbauen. Man muss vorausplanen, welche Aktionen am meisten Sinn ergeben, was wiederum abhängig ist von den Aktionen der anderen Spieler (Verfügbarkeit der Quader, Gebäudeplättchen und Wertungsaktionen). Das Spiel ermöglicht auch präemptives Verhalten (z.B. selbst werten, bevor der Gegner seine gute Stadt wertet).

El Grande (1996, Kennerspiel, Spielzeit ca. 1h, für 2-5 Spieler). Ein Klassiker unter den Einsteiger-Strategiespielen. Wer am meisten Caballero-Quader in einer Spanischen Provinz hat, gewinnt am meisten Punkte. Aber aufgepasst, der König kann verschoben werden und damit ändert, in welchen Provinzen Quader abgelegt werden können. Mittels fünf verschiedener Kartentypen lassen sich gelegte (eigene, wie gegnerische) Quader aber wieder verschieben.

Fresco (2010, Kennerspiel, Spielzeit ca. 1h, 2-4 Spieler). Der Frühausteher darf zuerst Farben am Markt kaufen, Farben mischen oder entscheiden, welche Deckenpartie der Kirche er bemalen will. Aber früh aufstehen bedeutet teurere Farben und schlechte Laune unter den Arbeitern. Kluges Vorausplanen und strategische Wechselwirkungen (welche Farben brauche ich? Wie oft muss ich mischen, damit ich die richtigen Farben habe, die für eine bestimmte Deckenpartie benötigt werden, vorausgesetzt, ich kann die bemalen, bevor die anderen Spieler dies tun?) sowie einfache Regeln sorgen für grossen Spass.

Scotland Yard (1983, diverse Neuausgaben, Spielzeit ca. 45 Min., für 2-6 Spieler). Ein Klassiker, mit einfachen Regeln und hohem Wiederspielwert. Ein Spieler als Mr. X muss vor der Polizei flüchten und zeigt seine Präsenz nur alle ca. 6 Spielzüge. Das Spiel verlangt Kooperation der übrigen Spieler und Nachdenken über den möglichen Aufenthaltsort von Mr. X und die beste Art, ihn zu fangen. Doch Achtung, die Zahl der Spielzüge, sowie die Zahl der U-Bahn-/Bus-/Taxi-Tickets sind endlich!

Wie bereits erwähnt, findet man Tipps, Rezensionen und weiteres unter boardgamegeek.com

Es lohnt sich, an Flohmärkten Spiele zu tiefen Preisen zu kaufen, oder sich mittels Preis-Tracker (z.B. toppreise.ch) die Preisentwicklung zu verfolgen, zu warten und im rechten Moment zu kaufen.

Beste Bücher 2025

Ich werde immer wieder gefragt, welche Bücher ich lese in meiner Freizeit. Die Antwort: ganz unterschiedliche. Ich lese vor allem gerne Bücher über Geschichte, Wirtschaft und Politik, aber auch populär-(natur-)wissenschaftliche Bücher, ab und zu auch Comics (z.B. aus der Reihe Buck Danny) und etwas seltener auch Belletristik (z.B. Master und Margerita von Mikhail Bulgakov).

Folgende Bücher haben mich während der Lektüre im 2025 am meisten fasziniert. Diese empfehle ich gerne weiter:

Ritchie Hannah (2024): Not the End of the World. Surprising facts, dangerous myths and hopeful solutions for our future on planet Earth. Vintage Books. Wie der Titel bereits impliziert, bespricht das Buch Herausforderungen der Menschheit, insbesondere den Klimawandel, schlägt aber einen optimistischen Ton an. Klimapanik und Denken in Kipppunkten einer vermeintlich letzten Generation sind fehl am Platz. Die Autorin, selbst ursprünglich Klimaaktivistin, zeigt, dass die Menschen lernfähig sind, und korrigieren, und wir bereits viel erreicht haben auf dem Weg zu einer klimaverträglichen, nachhaltigen Welt. In einer medialen Sensationswelt werden Fortschritte jedoch kaum wahrgenommen. Der saure Regen als Herausforderung in den 1980ern ist heute kein Thema mehr, weil gelöst; ebenso ist das Thema FCKW verschwunden, weil diese Stoffe praktisch nicht mehr verbaut werden. Gemäss Autorin haben wir noch viele Hausaufgaben zu erledigen, diese seien aber lösbar und wir seien auf gutem Weg. Zudem räumt die Autorin mit vielen populären Mythen und falschen Glaubenssätzen auf (warum Plastiksäcke ökologischer sein können als Papiersäcke, warum lokal produziertes Essen nicht unbedingt ökologischer ist etc.).

Susskind, Daniel (2025): Growth: A Reckoning. London: Penguin Paperbacks. Der Autor beginnt mit einer Einführung in die Ökonomie(-Geschichte), und warum Wirtschaftswachstum (in nominalen Preisen) in einer endlichen Welt möglich, ja normal ist, und warum es wichtig ist. Er erklärt auch, weshalb Rechtsstaatlichkeit, schlanke Gesetze und gute Rahmenbedingungen für unternehmerisches Handeln wichtig sind. Wirtschaftswachstum und technologische Fortschritte haben in den letzten zwei- bis dreihundert Jahren eine beispiellose Verbesserung des Wohlstands und der Gesundheit der Menschheit ermöglicht. Der Autor, selbst politisch mitte-links positioniert, erklärt auch, warum links-grüne Ideologien (u.a. «Grenzen des Wachstums, Club of Rome), die ein Stopp des «Wachstums» oder gar ein Schrumpfen «der» Wirtschaft verlangen, auf mangelhaftem wirtschaftlichen Verständnis beruhen, gefährlich und letztlich selbstzerstörerisch sind, weil sie Mittel propagieren, die ihre eigenen Ziele und das Allgemeinwohl torpedieren.

Conway, Ed (2024): Material World: A Substantial Story of Our Past and Future. London: Penguin. Der Autor ist Journalist und erzählt die Geschichte, den Bergbau, die Nutzungen und Bedeutung von sechs Rohstoffen (Sand, Salz, Eisen, Öl, Kupfer, Lithium). Das Buch ist gut strukturiert und packend geschrieben. Es erklärt z.B. warum Sand nicht gleich Sand ist (dito für Salz), d.h. weshalb die chemische Struktur der Moleküle und die Reinheit in natürlichen Vorkommen entscheidend ist für die weitere Verwendung und warum, trotz medial breitgetretenen Ängsten um die Verfügbarkeit von seltenen Erden, gewisse Vorkommen von Rohstoffen weiterhin in Europa (z.B. England, Spanien) abgebaut werden. Das Buch erklärt auch, warum diese Rohstoffe in einer sich weiter elektrifizierenden Welt noch viel mehr Bedeutung erlangen und absolut entscheidend sind für die Erreichung der Klimaziele.

Beard, Mary (2016): SPQR. A History of Ancient Rome. London: Profile Books. Das Buch behandelt die Zeit zwischen 800 vor und 200 nach Christus und erklärt einerseits in breiten Zügen gesellschaftliche Entwicklungen im römischen Reich, taucht aber auch ab und erklärt die Umstände des Lebens einfacher Römer. Das Buch bespricht vertieft einzelne Personen und deren Rivalitäten (u.a. Cicero, ausgewählte Kaiser) und ist gespickt mit Anekdoten. Es illustriert die sich wandelnden Konzepte politischer Institutionen, die Bedeutung des Bürgerrechts und hinterfragt Mythen und Narrative. Es ist locker und packend geschrieben.

Brand, Hal (ed., 2023): The New Makers of Modern Strategy: From the Ancient World To the Digital Age. Eine Sammlung von 45 Essays auf mehr als 1100 Seiten für Interessierte an Internationaler Politik. Während einige dieser Aufsätze Episoden der Geschichte aus der politikwissenschaftlichen Perspektive der internationalen Beziehungen erzählen und deuten, erklären andere Aufsätze Konzepte, Denkrichtungen. Die Lektüre ist intellektuell bereichernd und regt zum Denken an.